Japan stand für mich eigentlich schon lange fest.

Ich war bereits 2017 in Japan, damals hauptsächlich in Osaka, und ich war wirklich hin und weg von diesem Land.

Diese kleinen Gassen, die Häuser, die Tempel, das Essen, die Menschen – dieses ganze Lebensgefühl war einfach so anders als alles, was ich bis dahin kannte. Und genau dieses Bild hatte sich bei mir eingebrannt. Wenn ich an Japan dachte, dann dachte ich genau daran.

Mittlerweile lebt auch mein Bruder in Japan und für mich war deshalb klar: Ich möchte unbedingt noch einmal zurück.

Diesmal aber nicht alleine.

Ich wollte meinen Bruder besuchen und gleichzeitig meinem Mann und meinen Kindern das Land zeigen, von dem ich ihnen immer wieder erzählt hatte.

Also ging es im Sommer 2026 endlich los.

Zu viert. Mit zwei Kindern. Einmal quer durch Japan.

Und natürlich nur mit Handgepäck.

Japan zum zweiten Mal – und trotzdem komplett neu

Das Spannende war, dass ich dieses Mal natürlich nicht völlig ohne Erwartungen nach Japan geflogen bin.

Ich hatte mein Japan von 2017 im Kopf.

Und wahrscheinlich hatte ich unbewusst erwartet, dass es überall ungefähr so sein würde.

War es überhaupt nicht.

Auf dieser Reise habe ich erst richtig gemerkt, wie unglaublich unterschiedlich Japan sein kann.

Tokio, Osaka und Beppu liegen zwar alle im selben Land, haben sich für mich aber teilweise angefühlt wie drei komplett verschiedene Welten.

Tokio – bunt, voll und ein bisschen verrückt

Unsere ersten längeren Tage verbrachten wir in Tokio bei meinem Bruder und seiner Frau.

Und Tokio war erst einmal…

viel.

Viele Menschen. Viele Gebäude. Viele Züge. Überall Lichter, Geschäfte, Geräusche und irgendetwas zu sehen.

Tokio ist voll, bunt und irgendwie komplett verrückt.

Was mich dabei wirklich überrascht hat: Dort, wo wir unterwegs waren, haben wir erstaunlich wenige Touristen gesehen.

Ich hatte mit viel mehr internationalen Besuchern gerechnet. Stattdessen standen wir teilweise in riesigen Menschenmengen und um uns herum waren fast nur Japaner.

Und Tokio hat nicht dieses eine Zentrum, in das man fährt und dann sagt: „So, jetzt sind wir in der Innenstadt."

Du fährst in einen anderen Stadtteil und plötzlich stehst du wieder zwischen Hochhäusern, Geschäften und Tausenden Menschen.

Dann fährst du weiter und das Ganze beginnt von vorne.

Wir haben uns deshalb irgendwann einfach treiben lassen.

Wir sind Zug und Bus gefahren, haben Tempel besucht, gegessen, Menschen beobachtet und uns Geschäfte angeschaut.

Auch die Mode war teilweise eine Welt für sich. Manga, Gothic, knallbunt, komplett schwarz – teilweise habe ich einfach nur Menschen angeschaut und gedacht:

Okay… interessant.

Die Kinder waren spätestens beim Pokémon Center sowieso überzeugt.

Natürlich mussten wir hinein.

Natürlich mussten Pokémon gekauft werden.

Und natürlich war danach völlig egal, wie voll Tokio war.

TeamLab, Tempel und ein Plan, der nicht funktioniert hat

Ein richtig schönes Erlebnis war TeamLab, das wir gemeinsam mit meinem Bruder und seiner Frau besucht haben.

Licht, Farben, Spiegelungen und Räume, in denen ständig etwas Neues passiert – da haben nicht nur die Kinder gestaunt.

An einem anderen Tag besuchten wir zuerst einen Tempel und wollten anschließend bewusst etwas für die Kinder machen.

Also suchten wir einen Trampolin- beziehungsweise Kletterpark heraus.

Der Plan klang super.

Kinder austoben lassen, Eltern vielleicht kurz durchatmen.

Dachten wir.

Vor Ort sollten unsere beiden Kinder wegen ihres Alters beziehungsweise ihrer Größe in unterschiedliche Bereiche.

Unsere Kinder wollten aber zusammenbleiben und wir hatten ehrlich gesagt auch keine Lust, die ganze Zeit zwischen zwei Bereichen hin und her zu laufen.

Also war irgendwann klar:

Nee. Dann lassen wir es.

Immerhin wurde völlig unkompliziert storniert und wir bekamen unser Geld zurück.

Also wieder zurück zu meinem Bruder.

Plan gescheitert. Kann passieren.

Disneyland – dieser Tag gehörte den Kindern

Natürlich wollten wir auf unserer Japanreise nicht zwei Wochen lang nur das machen, was wir Erwachsenen interessant finden.

Denn ganz ehrlich:

Meine Kinder müssen nicht begeistert davon sein, den zwölften Tempel anzuschauen.

Deshalb ging es auch ins Tokyo Disneyland.

Achterbahnen, Attraktionen, Disney – die Kinder waren glücklich.

Und wir danach hauptsächlich müde.

Als wäre so ein kompletter Disneyland-Tag nicht schon genug, zog auch noch ein Sturm auf.

Aber gut.

Zumindest wurde es nicht langweilig.

Und dann kamen wir nach Osaka

Nach Tokio ging es weiter nach Osaka.

Und ich weiß noch, dass ich dort dieses Gefühl hatte:

Da ist es wieder. Genau DAS ist das Japan, das ich in Erinnerung hatte.

Plötzlich waren da wieder diese Häuser.

Die kleinen Gassen.

Die Tempel.

Überall Essen.

Die Menschen.

Diese ganze Atmosphäre.

Es war für mich viel traditioneller und gleichzeitig irgendwie entspannter als Tokio.

Natürlich ist auch Osaka eine riesige Stadt. Natürlich gibt es dort Menschenmassen, moderne Gebäude und leuchtende Reklamen.

Aber dazwischen ist so viel von diesem Japan, das ich 2017 kennengelernt und seitdem im Kopf behalten hatte.

Du läufst durch eine kleine Gasse, irgendwo wird gekocht, vor einem kleinen Laden stehen Menschen, ein paar Straßen weiter taucht plötzlich wieder ein Tempel auf.

Genau diese Mischung liebe ich.

Ich kann gar nicht sagen, ob Osaka objektiv „mehr Japan" ist als Tokio.

Wahrscheinlich überhaupt nicht.

Aber für mich fühlt es sich so an.

Weil genau dort mein Bild von Japan entstanden ist.

Und dieses Mal dort mit meinem Mann und meinen Kindern zu stehen, war deshalb etwas ganz anderes.

Ich konnte ihnen endlich das zeigen, wovon ich vorher immer erzählt hatte.

Und gleichzeitig war Osaka nach Tokio irgendwie eine kleine Erholung.

Nicht unbedingt ruhig.

Aber entspannter.

Ich hatte nicht permanent das Gefühl, von tausend Eindrücken gleichzeitig erschlagen zu werden.

Ich konnte einfach herumlaufen, schauen, essen und dieses Land wieder auf mich wirken lassen.

Und genau das hatte ich vermisst.

Und dann kam noch einmal ein komplett anderes Japan

Nach Tokio und Osaka hätte man eigentlich denken können, wir hätten jetzt schon zwei ziemlich unterschiedliche Seiten von Japan gesehen.

Und dann kamen wir nach Beppu.

Und plötzlich war wieder alles anders.

Beppu hat mich wirklich überrascht.

Ich wusste vorher natürlich, dass die Gegend für ihre heißen Quellen bekannt ist.

Aber mir war überhaupt nicht bewusst, wie viel es dort zu entdecken gibt.

Heiße Quellen, die berühmten sieben Höllen von Beppu, Wasserfälle, Berge und überall Natur.

Du fährst ein Stück und plötzlich sieht die Landschaft schon wieder anders aus.

Und genau das fand ich so erstaunlich.

Japan ist flächenmäßig gar nicht dieses riesige Land – und trotzdem können sich die Gegenden komplett verändern.

In Tokio stehst du zwischen Hochhäusern und Tausenden Menschen.

In Osaka läufst du durch kleine Gassen zwischen Restaurants und traditionellen Häusern.

Und kurze Zeit später stehst du irgendwo bei Beppu mitten in der Natur und schaust auf dampfende Quellen.

Teilweise steigt dort einfach irgendwo Dampf aus dem Boden und man denkt sich:

Wie verrückt ist das eigentlich?

Die sieben Höllen waren natürlich noch einmal etwas ganz Besonderes.

Schon allein diese Farben und die Tatsache, dass das alles einfach aus der Erde kommt.

Und dann wiederum Wasserfälle und unglaublich grüne Landschaften.

Für die Kinder gab es ständig etwas Neues zu sehen und auch wir Erwachsenen standen oft einfach nur da und haben geschaut.

Genau dort habe ich Japan noch einmal anders kennengelernt

Beppu war für mich aber nicht nur wegen der Natur interessant.

Je weiter wir aus den riesigen Städten herauskamen, desto mehr hatte ich das Gefühl, auch ein bisschen mehr vom normalen japanischen Leben mitzubekommen.

Nicht nur das Japan aus Reiseführern.

Nicht nur Sehenswürdigkeiten und Einkaufsstraßen.

Sondern Häuser, kleine Orte, Straßen, Menschen und Alltag.

Und genau das interessiert mich beim Reisen eigentlich am meisten.

Natürlich möchte ich berühmte Orte sehen.

Aber ich möchte auch wissen:

Wie leben die Menschen hier eigentlich?

Wie sehen die Häuser aus?

Wo gehen sie essen?

Wie verbringen Familien ihren Alltag?

Was ist hier völlig normal, was für uns total ungewöhnlich wirkt?

Und gerade auf unserem Roadtrip hatten wir viel mehr Möglichkeiten, genau solche Dinge zu sehen.

Ich glaube, erst da habe ich wirklich verstanden, wie unterschiedlich Japan ist.

Und irgendwann saßen wir nackt im Onsen

Wenn man schon in der Gegend rund um Beppu unterwegs ist, kommt man an einem Thema kaum vorbei:

Onsen.

Ich wusste natürlich vorher, wie das funktioniert.

Theoretisch.

Nackt rein.

Heißes Thermalwasser.

Alles klar.

Und dann steht man tatsächlich dort und denkt:

Ach so. Wirklich komplett nackt. Okay.

Aber irgendwann sitzt man im ungefähr 40 Grad heißen Wasser und plötzlich ist es gar nicht mehr so komisch.

Unsere Kinder durften bei unseren Besuchen problemlos mit hinein.

Tattoos können dagegen ein Problem sein. In vielen traditionellen Onsen sind sie verboten.

Für mich gehören gerade solche Erlebnisse zu einer Reise nach Japan dazu.

Denn wir wollten das Land nicht nur anschauen.

Wir wollten zumindest ein kleines bisschen kennenlernen, wie die Menschen dort leben und welche Dinge zu ihrer Kultur gehören.

Japan ist eine Insel – also ab an den Strand! Oder?

Gegen Ende unserer Reise waren wir wieder in der Gegend von Fukuoka.

Fukuoka selbst haben wir ehrlich gesagt kaum gesehen.

Wir waren nur kurz dort und verbrachten unsere Zeit lieber am Meer.

Und da kam die nächste Überraschung.

Japan ist eine Inselnation.

Meer gibt es also genug.

Da denkt man automatisch:

Sommer, heiß, Meer – perfekt.

Tja.

Ganz so einfach war das nicht.

Es gibt erstaunlich viele Stellen, an denen Schwimmen gar nicht erlaubt ist.

Und wenn man endlich einen Strand gefunden hat, kommt im Hochsommer das nächste Problem:

Quallen.

Gerade ab August können sie im Meer auftauchen.

Und natürlich hat es bei uns nicht irgendeinen erwischt.

Natürlich mich.

Da freust du dich bei der Hitze auf eine schöne Abkühlung im Meer und machst stattdessen Bekanntschaft mit einer japanischen Qualle.

Kann ich abhaken.

Muss ich beim nächsten Mal nicht wieder haben.

Reisen mit zwei Kindern ist trotzdem kein Instagram-Film

Natürlich waren wir nicht drei Wochen lang eine dauergrinsende Familie, die Hand in Hand durch Japan gelaufen ist.

Unsere Kinder hatten keine Lust.

Sie waren müde.

Sie hatten Hunger.

Sie haben gestritten.

Und irgendwann waren auch wir Erwachsenen genervt.

Wenn du schon ewig unterwegs bist, es heiß ist und von hinten zum fünften Mal „Mamaaaa" kommt, denkst du nicht:

Was für ein wunderschöner Familienmoment.

Du denkst:

Kann sich bitte einfach fünf Minuten niemand bewegen oder etwas von mir wollen?

Aber das gehört dazu.

Familienurlaub ist immer noch Familienalltag.

Nur eben mit Tempeln, Sushi und japanischen Toiletten.

Nur Handgepäck – würde ich das wieder machen?

Definitiv.

Gerade weil wir so viel unterwegs waren.

Flugzeug. Zug. Bus. Shinkansen. Mietwagen. Mehrere Unterkünfte.

Wenn ich mir vorstelle, wir hätten dabei noch mehrere große Koffer durch Japan gezogen – nein danke.

Wir haben gewaschen.

Wir haben Sachen mehrfach getragen.

Und wir haben festgestellt, dass wir viel weniger brauchen, als wir manchmal glauben.

Komischerweise waren die Taschen auf dem Rückweg trotzdem voller.

Ich kann mir überhaupt nicht erklären, woran das lag.

Die Pokémon waren bestimmt völlig unschuldig.

Was mich an Japan mit Kindern überrascht hat

Vor der Reise hatte ich durchaus Respekt davor, wie wir uns mit zwei Kindern in einem Land zurechtfinden würden, dessen Sprache wir nicht sprechen und dessen Schrift wir nicht einmal lesen können.

Aber genau das war viel unkomplizierter als erwartet.

Mal ging es mit Englisch.

Mal mit Übersetzungs-App.

Mal mit Händen und Füßen.

Und manchmal hat uns einfach jemand geholfen, weil man uns vermutlich schon von Weitem angesehen hat:

Die vier haben gerade überhaupt keine Ahnung, wo sie hinmüssen.

Und trotzdem kamen wir immer irgendwie an.

Welches Japan ist jetzt „mein" Japan?

Nach dieser Reise kann ich darauf eigentlich keine richtige Antwort mehr geben.

Denn genau das war vielleicht meine größte Erkenntnis:

Es gibt nicht dieses eine Japan.

Tokio war für mich bunt, voll, modern und verrückt.

Osaka war das Japan, das ich von 2017 in meinem Herzen behalten hatte – traditioneller, kleine Gassen, Tempel, Essen und für mich einfach entspannter.

Und Beppu war noch einmal eine völlig andere Welt.

Natur, heiße Quellen, Wasserfälle, Berge und ein viel ruhigeres Leben.

Drei Orte.

Ein Land.

Und drei komplett unterschiedliche Gefühle.

Vielleicht hat mir genau deshalb diese zweite Reise nach Japan noch besser gezeigt, warum mich dieses Land damals so begeistert hat.

2017 habe ich einen kleinen Teil davon kennengelernt.

2026 durfte ich zurückkommen.

Diesmal mit meinem Mann und meinen Kindern.

Wir konnten meinen Bruder besuchen, gemeinsam durch Tokio laufen, mein Osaka wiederfinden und anschließend ein Japan entdecken, das selbst ich vorher noch nicht kannte.

Natürlich war nicht alles perfekt.

Wir waren müde.

Wir waren genervt.

Pläne haben nicht funktioniert.

Die Kinder hatten keine Lust.

Und ich wurde von einer Qualle erwischt.

Aber wenn ich heute an diese Reise denke, sind das genau die Geschichten, über die wir lachen.

Und was bleibt, ist vor allem dieses Gefühl:

Wie unglaublich unterschiedlich, verrückt, wunderschön und interessant dieses Land ist.

Ich war 2017 hin und weg von Japan.

Und nach dieser Reise?

Bin ich es irgendwie immer noch.

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